Liebevolles Dasein mit mittellosen Brüdern und Schwestern

 

 

Eliane von der Fraternität in Aubonne fährt jede Woche nach Genf, um einen Tag mit mittellosen Menschen zu verbringen.

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„Schon bald drei Jahre, bin ich jeden Dienstag im „C.A.R.E“ in Genf.

Dies ist ein Ort des Empfangs für mittellose Menschen, die in einem bestimmten Augenblick ihres Lebens aufgrund ganz unterschiedlicher Schwierigkeiten den Halt verloren haben.


Mit meiner Pensionierung erwachte in mir der Wunsch, mich ehrenamtlich zu engagieren. In meiner Gemeinschaft in Aubonne können wir uns nicht über mangelnden Besuch noch fehlende Beschäftigung im und rund ums Haus beklagen. Dennoch spürte ich in mir den Durst, nach draussen zu gehen und den Menschen regelmässig zu begegnen. Es war auch ein Bedürfnis im Alltag einen  Rhythmus zu finden. Von mir selbst weiss ich, dass ich ein aktiver Mensch bin. Das „Tun“ nimmt einen grossen Platz ein, auch wenn ich weiss, dass das „mit den Menschen Sein“ das Herz unserer Berufung ist.


Was tue ich dort? Nichts Besonderes. Ich versuche, gegenwärtig zu sein und die Menschen liebevoll willkommen zu heissen. Jeden Tag kommen etwa 150 Menschen für ein gemeinsames warmes Essen. Das Care hat acht fest angestellte Mitarbeiter, ein paar Praktikanten und etwa 50 ehrenamtliche Helfer. Es werden verschiedene Projekte angeboten: Musik-, Mal- und Töpferkurse, eine Fahrradwerkstatt, Sport… Instandhaltung des Zentrums. Es gibt auch die Möglichkeit sich zu waschen und warme Kleidung zu bekommen, einen Friseur und einen Arzt aufzusuchen.

Am ersten Tag war ich betroffen von den vielen Gesichtern und dem Gewirr der Stimmen. Ich fragte mich, wie und wo ich meinen Platz finden könnte. Auch wenn ich mich wie zugeschnürt und angespannt fühlte, hatte ich die Gewissheit den Weg zu finden.

Zum zweiten Mal schlägt mir der Direktor das „Zeichnungsatelier“ vor:

Zeichnen, einfach Dasein, mit dem einen oder andern plaudern, Interesse zeigen für die Beschäftigung meines Nachbarn…

Es ist mir sehr wichtig, mit den Menschen durch eine Aktivität in Kontakt zu treten, genau wie damals als ich in der Fabrik oder im Supermarkt arbeitete.

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Jeden Dienstag muss ich mich körperlich und seelisch auf diesen Ort vorbereiten. Nie weiss ich, wie mich die Menschen empfangen werden. Für mich ist es die Herausforderung der Absichtslosigkeit. Ein Text von Claude Rault, (Bischof in Algerien), fasst es gut ins Wort:

„Das Spezifische der Liebe des Evangeliums ist es, im Gegenzug für die Liebe nichts zu erwarten. Die Liebe ist geprägt von der Absichtslosigkeit, jener Absichtslosigkeit mit der wir selbst von Gott geliebt werden.“ 

Einige Perlen aus dem „C.A.R.E“:

  • Ich helfe beim Abwasch: Daniel leert und reinigt das Geschirr. Ich frage ihn: „Arbeiten sie schon lange freiwillig im CARE?“ „Seit 12 Jahren, vorher war ich Gast hier“. Ich bin sehr gerührt, welch ein Stolz eine Verantwortung zu übernehmen!
     
  • Die Dankbarkeit, die gegenseitige Hilfe beim Servieren der Mahlzeiten, ihr Mut berühren mich zu tiefst.
     
  • Eines Tages J. ist nicht zufrieden, weil Schweinefleisch serviert wird. Edith-Jeanne ihre Tischnachbarin sagt: „Sie kann nichts dafür… siehst Du nicht, dass diese Frau als Freiwillige für uns arbeitet?
     
  • Lorenzo sieht mein Kreuz und sagt: „Glauben sie an Gott? Ich bejahe, und sie, frage ich? „Gott glaubt an mich“…
     
  • Yatsushiro hat das Buch von Khalil Gibran „le Prophète“ in der Hand. „Kennen sie dieses Buch?“ „Es hilft mir leben… ich trage es immer mit mir.“
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