Ein Ort des stillen Gebetes

 

 

Ein Ort des stillen Gebetes

„So wie Jesus sich manchmal zurückgezogen hat, um zu seinem Vater zu beten, suchen auch die Kleinen Schwestern in Gebet und Schweigen die Verbindung zu Jesus, der allein sie zum Vater führen kann;
Ein schweigendes Mit-Ihm-sein, vertrautes Gespräch mit dem geliebten Bruder und Herrn als mit dem liebsten Wesen auf der Welt, eine persönliche Begegnung mit Ihm.“
(von Kl. Sr. Magdeleine in den Konstitutionen der Kleinen Schwestern Jesu)

 

Die Kapelle in Einsiedeln

Wie diesen Sommer verweilen oft Kleine Schwestern in der Fraternität von Einsiedeln. In einem Teil des Hauses ist ein Raum für Stille und Einsamkeit im Gebet vorgesehen.

Zwei von ihnen schreiben von ihrer Erfahrung und dem Leben in ihrer Fraternität.


Brigitte Katrin :


„Welch ein Geschenk für mich, nach so vielen Jahren wieder in Einsiedeln zu verweilen.
Bevor ich in die Fraternität eintrat habe ich mit meinen Eltern eine Wallfahrt zur Mutter Gottes nach Einsiedeln gemacht. Wir wollten ihr meinen und auch ihren weiteren Weg anvertrauen.

Ich komme aus Süddeutschland, in der Nähe von Freiburg und wir fühlten uns sehr mit der Schweiz verbunden. Dem heiligen Bruder Klaus von Flüe habe ich in einem gewissen Sinn meine Berufung zu verdanken. Deshalb war es für mich ein Zurückkommen zur Quelle.

Die herzliche Aufnahme und Gegenwart der Kleinen Schwestern haben mir so gut getan. Die kleine „Einsiedelei“ in der Fraternität ist ein idealer Ort um in Stille und Einsamkeit mit Jesus zu verweilen.

Die letzten 18 Jahre habe ich in der Slowakei gelebt. Zuerst war ich in Bratislava, wo die Kleinen Schwestern schon während des Kommunismus eine Gemeinschaft hatten. Anschliessend war ich dann 10 Jahre mit dem Volk der Roma, in Brezno, einer kleinen Stadt in der Mittelslowakei. Dort haben wir im Jahre 2004 eine Fraternität angefangen. Die Roma sind in der Slowakei eine kleine Minderheit (ca. 10% der Bevölkerung = ca. 500‘000 Bewohner). Viele davon leben in grosser Armut.

Wir waren dort meistens vier Kleine Schwestern: Jana, die selber eine Romni ist, Lubica, eine junge Slowakin, Radka, eine junge Tschechin und ich.
Im Laufe der Jahre ist eine schöne Freundschaft mit den Roma gewachsen. Wie oft werden sie nicht verstanden, ausgegrenzt und erniedrigt! Da durften wir durch unsere Gegenwart Zeugnis geben, dass wir EINE grosse Menschheitsfamilie sind.

Mit den Roma  

Im März 2014 mussten wir auf unbestimmte Zeit unsere Fraternität in Brezno schliessen. So mache ich zurzeit ein „Erneuerungsjahr“ (Sabbatjahr zur Vertiefung der Spiritualität und dem Wort Gottes in der Bibel…)

Ich durfte hier in Einsiedeln neue Kraft und neues Vertrauen schöpfen und gehe zuversichtlich meinen Weg weiter.

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Ulrike :

„Einen ganzen Monat durfte ich in der Einsiedler Fraternität in der Stille verbringen. Das war für mich wie Balsam für Leib und Seele.

Die wohltuende und abwechslungsreiche Landschaft lockte mich in allen Himmelsrichtungen hinaus in die Natur! So bin ich jeden Tag wandern gegangen und habe mich an den Bergen „satt-gesehen“. Ich konnte das bäuerliche Leben der Menschen dieses Gebietes, das mir als Städterin fremd ist, nur staunend bewundern.

Auch habe ich den Klang der Klosterglocken und der Kuhglocken genossen. Ich freute mich aber auch am einen oder anderen Konzert in der Klosterkirche… und noch vieles mehr liess diesen Aufenthalt zu einem einmaligen Erlebnis werden.

 
Ulrike in Einsiedeln

Aber vor allem: Einfach Zeit haben, Zeit in der niemand etwas von mir erwartet und ich nichts „liefern“ muss…!


Das alles habe ich als Geschenk Gottes erhalten und bin sehr dankbar dafür.
Mit neuem Mut gehe ich zurück in die Fraternität von Halle an der Saale, in Ostdeutschland. Mit drei anderen Kleinen Schwestern lebe ich in einem Quartier am Stadtrand von Halle, welches unter dem früheren kommunistischen Regime gebaut wurde. Dort arbeite ich in einem Altersheim als Pflegehelferin“.

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