Kl. Schwestern Jesu - Orient - Afrika

 

 

Mehrere Kleine Schwestern kamen für eine Sabbatzeit in die Schweiz – Für uns Gelegenheit unseren Horizont zu erweitern:

Henriette aus Syrien, Liseby und Ria aus Afrika…

Henriette ist Libanesin und lebt seit vier Jahren mit zwei andern Kleinen Schwestern in einem Wohnviertel von Alep. Sie erzählt uns aus ihrem Leben:

Clic zum vergrössern

„Ich arbeite in einem Nähatelier, nahe der Fraternität. Wegen des Krieges versuchen wir in der Nähe unserer Wohnung eine Arbeit zu finden. Meine Arbeit: Ich entferne an den angefertigten Kleidern die überflüssigen Fäden. Eine andere Kleine Schwester, von Beruf Kinderärztin, arbeitet in einem Ambulatorium. Die dritte Kleine Schwester bleibt zu Hause, um für die Nachbarn und Freunde Da zu sein. Viele sind Flüchtlinge und kommen aus verschiedenen Gegenden des Landes. Sie begleitet auch den Priester, welcher den Betagten und Kranken die Kommunion bringt.

Unsere Präsenz in diesem Quartier erlaubt uns, die Flüchtlinge mit dem JRS (Service Jésuite des Réfugiés) bekannt zu machen. In dieser Kriegssituation sind wir auch den drei Kleinen Schwestern in Damaskus nahe. Auch sie sind sehr aufmerksam für die Flüchtlinge, besonders da eine Schwester mit dem JRS zusammenarbeitet.

Wir sind auch mit den vier Fraternitäten des Libanon sehr solidarisch. Zwei Fraternitäten befinden sich in Beirut und im Vorort, die dritte in Hermel (Behaa). Neu ist auch eine Fraternität in einem Palästinenserlager in Tyr. Dort leben Palästinenser, Syrier und Libanesen. Dort leben drei Kleine Schwestern. Eine Schwester arbeitet in einer Konfiserie, wo halawa und tahini (aus Sésam) hergestellt werden.“


Clic zum vergrössern

Eine Kleine Schwester schreibt, angesichts der andauernden Wirren in diesem Land:

„Das Syrien von heute ist der Ort meiner inneren Bekehrung. Wenn ich die trostlose Situation sehe, fühle ich mich berufen, mein kontemplatives Leben zu vertiefen. Gott schweigt! Wir auch, wir haben keine Worte inmitten des Leidens so vieler Menschen. Dieses Schweigen ist viel stärker als alle Worte.“

ligne

Ria, aus Holland, lebt seit vielen Jahren in Afrika. Sie besucht regelmässig ein Gefängnis. Ihre Entdeckung: „Die „Vergessenen“ dieser Welt, sind von Gott geliebt!“

„41° C im Schatten, unter einem Baum. Die Aufseher kochen Tee vor dem Gefängnis und offerieren mir ein Glas: Ja, in mohammedanischer Umgebung zu leben ist für mich eine Freude.
Die Gastfreundschaft ist grosszügig und ich akzeptiere die Tasse Tee, Zeichen der Freundschaft. Diese Geste trägt dazu bei, die freundschaftlichen Beziehungen zu pflegen, die den Frauen, zu welchen ich gesandt bin, wohl tun.

Clic zum vergrössern

50 Frauen und Mädchen, eingepfercht in einem kleinen Raum, inmitten von Kochtöpfen, einem schreienden Radio, dem Fernsehen mit gewalttätigen Filmen, manchmal auch Zeichentrickfilmen…
Ein Iman spricht von Gebet und lädt zur Stille ein; die Frauen sitzen auf dem Teppich, mit der Gebetsschnur in der Hand.

Plötzlich sehe ich, dass Zaynabou weint, grosse Tränen fliessen auf ihrem angespannten Gesicht… Ich ziehe meine Sandalen aus, (dies ist heilige Erde) ich setze mich neben sie und lege sanft meine Hand auf die ihre.
Schweigend bete ich: „Du bist geliebt und gesegnet“.  

Meine eigene Erfahrung hat mich gelehrt, wie die Akzeptanz von Angst und Leid auf den Weg der Heilung führen kann. Alles was ich tun kann, ist Zaynabou nahe bleiben.

Alle brauchen wir Hilfe in unserem Leid, zuallererst um den Schmerz einzulassen, ohne ihn zu verneinen, aus ihm unseren Freund machen.

Zaynabou, „im Abgrund dieser Hölle“ hast du ein Kind zur Welt gebracht; in einem Gefängnis gebären, das konnte ich mir nicht vorstellen! Die Solidarität der anderen Mütter war gross.

Clic zum vergrössern

Hadiza, du hast fünf Jahre Gefängnisaufenthalt hinter dir. Dank des Nähateliers mit den Leiterinnen hast du nähen gelernt und bist „championne“ geworden. Dank der von Nicole bestellten Nähmaschine  kannst du jetzt dein Leben verdienen.
„Du bist geliebt und gesegnet“.

Danke dir, H. für das Vertrauen, das du mir schenkst.
Des Mordes angeklagt, bist du krank geworden. Du sagtest mir: „Das Gefängnis ist die kleine Schwester der Hölle“. Ja, das Gefängnis ist schlimm und noch schlimmer darin krank zu werden. Man sagt, dass du gefährlich bist und jeden Abend werden die Zellen von 20 Uhr bis morgens 7.00 Uhr geschlossen. In jeder Zelle sind etwa zehn Frauen, welche unter der schrecklichen Hitze leiden.

Clic zum vergrössern

Die Frauen sind am Ende, eine Frau leidet an Asthma, eine andere an hohem Blutdruck, eine andere ist im 8. Monat schwanger…
Sie flehen mich an etwas zu tun: „Warum schliessen sie uns alle ein?“ Ich kann diese Ungerechtigkeit kaum ertragen…

Es ist, als ob ich mit ihnen gefangen wäre, wie im Hebräerbrief: „Denkt an die Gefangenen, als wäret ihr mitgefangen; denkt an die Misshandelten, denn auch ihr lebt noch in eurem irdischen Leib“ (Hebr. 13.3)


H. hat überhaupt kein Anrecht auf nichts, sie bekommt keine Pflege, dies erschüttert mich. Ich erkundige mich bei einem Arzt und suche nach Medikamenten, denn sie hat viel Schmerzen. Sie beginnt eine Hepatitis und ich besorge ihr Heilkräuter. Endlich kann ich mit dem Direktor sprechen und er erlaubt ihr sich behandeln zu lassen.

Ja, danke Gott, der mich gesandt hat, und Dank an Jesus, der mich gerufen hat… Brot für die Welt… Brot genommen, gesegnet, gebrochen und hingegeben.“

ligne

Liseby ist auf der Mauritiusinsel geboren:

Ich lebe mit zwei anderen Schwestern in Kajiado, Kenia, einer Fraternität in der Region der Massai, 80 km von Nairobi entfernt. Während vielen Jahren lebten die Kleinen Schwestern mit den Massai. Jetzt sind wir auch für die anderen Ethnien präsent. Unsere Fraternität ist vor allem ein Ort des Gebetes, der Anbetung. Die Leute kommen regelmässig zum Gebet in unsere Kapelle. Die Pfarrei organisiert Retraiten, an welchen wir teilnehmen.

Ich beschäftige mich besonders daheim und fabriziere Kerzen. Ich beteilige mich auch jede Woche an einer Gruppe zur Vorbereitung der Liturgie.

Clic zum vergrössern
Clic zum vergrössern

Eine Kl. Schwester ist besonders aufmerksam für die Betagten. Sie macht die Verbindung mit der Pfarrei und begleitet die Menschen im Sterben; oft auch für die Beerdigungen in ihrem Dorf. Eine andere Kl. Schwester arbeitet in der Pfarrei, um den Bedürfnissen der Leute, der Familien usw. Antwort zu geben.


In der Nachfolge von Bruder Karl und Kl. Sr. Magdeleine wollen wir Jesus als die Mitte unseres Lebens betrachten. Er ist gekommen, um die Frohe Botschaft mitten unter den  ärmsten Menschen zu verkünden und aus dem einfachen Leben seiner Umgebung einen Ort der Einheit mit dem Vater zu machen.“

Zurückzurück