Kleine Schwestern Jesu - Einsiedeln

 

 

In den letzten Monaten wurden mehrere Kleine Schwestern in der Fraternität von Einsiedeln für eine Zeit der Stille und des Gebetes aufgenommen.

Unter ihnen Marlene die seit fast fünf Jahren mit drei anderen Kl. Schwestern in einer der „sensiblen“ Vorstädte von Paris lebt. Dort leben vor allem Immigranten aus über 100 Ländern und von vielen verschiedenen Religionen, darunter sind überwiegend Muslime. Die Arbeitslosigkeit ist sehr hoch, wovon vor allem junge Leute betroffen sind. So verdienen manche von ihnen ihr Geld durch Drogenhandel. „Die Mütter leben in ständiger Angst, wenn sie sehen, wie ihre Kinder der Gewalt ausgesetzt sind. Oft bitten sie um unser Gebet für sie…“

Marlene :
„Für meine diesjährigen Exerzitien durfte ich den ganzen Monat August in der Einsiedelei der Kleinen Schwestern in Einsiedeln verbringen, ein ganz grosses Geschenk für mein 50-jähriges Ordensjubiläum. Ich hatte mir einen Ort gewünscht, wo ich in der Stille und im Gebet Gott für seine wunderbaren Taten, die ich in meinem Leben erfahren durfte und für all die Menschen, die mich auf meinem Weg begleitet haben, zu danken.“  

Die Evangelien erwähnen mehrmals wie Jesus sich auf den Berg zurückzog, um zu beten. Auch mich haben die Berge angezogen… Das Fest der Verklärung Jesu am 6. August erinnert daran, wie Jesus mit Petrus, Johannes und Jakobus auf einen Berg stieg, um zu beten… „Meister, es ist gut, dass wir hier sind… „dieser ist mein geliebter Sohn, ihn sollt ihr hören!“ (Lukas 9.28-36) Auf Sein Wort hören, auf Ihn schauen… Das gilt auch für mich!

Sein Wort wurde mir hier auf verschiedene Weise geschenkt: Zu allererst durch die herzliche Aufnahme der Kleinen Schwestern. Und dann natürlich in der täglichen Schriftlesung: Licht, Freude, Trost, Herausforderung, die aufrüttelt.

Ja, Gottes Wort kam auch zu mir durch die Schönheit der Natur. Mit Vorliebe betete ich die Laudes auf dem „Friherrenberg“ (1124m). Die Psalmen drücken ja so gut die Grösse und Schönheit Gottes aus!  Unvergesslich bleibt ein Gipfelerlebniss in der herrlichen Bergregion der Mythen: Vor diesen zackigen Berggipfeln wurde ich an die Worte von Charles de Foucauld erinnert, die er angesichts des Hoggar-Gebirges (Algerien) schrieb:

 
mit den Kleinen Schwestern der Fraternität

„Dieser Anblick ist von unbeschreiblicher Schönheit, da muss man unwiderstehlich an Gott denken. Es fällt mir schwer, mich von diesem Anblick zu lösen, dieser Schönheit, die mir den Schöpfer nahebringt.“   (Brief an Mme  Bondy, 9.7.1911)

Gottes Wort kam auch zu mir durch Margrit, eine tüchtige Bäuerin vom grossen Bauernhof gleich neben unserem Haus. Sie ist Mutter von fünf Kindern und Grossmutter von vielen Enkelkindern. Die Begegnungen vor dem Stall oder auf dem Weg zu den Bergweiden waren Gelegenheit ein wenig ins Gespräch zu kommen Dabei konnte ich ihren tiefen Glauben bewundern.

Mit dem DANK begleitete mich auch das Thema Barmherzigkeit durch diese Exerzitien.

Es freute mich zu erfahren, dass Einsiedeln ein Marien-Wallfahrtsort zur „Mutter der Barmherzigkeit“ ist.

Es war sicherlich nicht die prunkvolle Barockkirche, die mich jeden Tag dahinzog, sondern um mit den vielen Pilgern aus verschiedenen Ländern zu beten.
In der Volksfrömmigkeit kommt ein Hunger nach Gott zum Ausdruck, wie ihn nur die einfachen und armen Menschen kennen, die in Maria eine barmherzige Fürbitterin für all ihre Anliegen finden.“ (Papst Franziskus) Auch ich kam mit ganz vielen Anliegen! Dabei dachte ich besonders an unsere Kl. Schwestern und ihr Volk in Syrien und im Irak….

Kapelle der Fraternität  

 

Hier in Einsiedeln bieten die Benediktinermönche für das „Jahr der Barmherzigkeit“ neben der Eucharistiefeier eine „Stunde der Barmherzigkeit“ an. Das Allerheiligste ist dann jeden Freitag zur Anbetung in der schlichten Krypta der Basilika ausgesetzt. Einer der Mönche gibt auch einen kurzen Impuls zum Thema „Barmherzigkeit“. Als ich das erste Mal an dieser Stunde teilnahm, wurde als Impuls das Testament von Christian de Chergé vorgelesen. Pater Christian war der Prior der Mönche von Tibhirine (Algerien). Dieses Testament von neuem zu hören hat mich  zutiefst betroffen gemacht! Ich durfte einmal bei diesen Mönchen in Tibhirine meine Exerzitien machen. Wenige Zeit danach sind Fr. Christian und sechs seiner Brüder von Rebellen entführt und umgebracht worden.

Wenn ich jetzt am Ende meiner Exerzitien „den Berg hinuntergehe“ zurück zu den mir lieb gewordenen Menschen in unserer Vorstadt, nehme ich dieses bewegende Testament mit. Es wird mir dort ein Licht in unserem christlich-islamischen Dialog des Lebens mit unseren muslimischen Nachbarn und Freunden sein. Ein kostbares Geschenk der Barmherzigkeit Gottes!

Das Testament von Pater Christian de Chergé

„Sie mögen annehmen, dass der einzige Meister eines jeden Lebens diesem schrecklichen Hinscheiden nicht fremd gegenüberstehen kann. Sie mögen für mich beten: Wie soll ich würdig sein für ein solches Opfer? Sie mögen diesen Tod im Zusammenhang mit so vielen Toden sehe, die ebenso gewalttätig waren, aber in der Gleichgültigkeit dieser Zeit namenlos geblieben sind.
Mein Leben hat keinen höheren Preis als ein anders; es hat aber auch keinen geringeren… „


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