: Einsiedelei der Fraternität von Einsiedeln

 

 

Rosaura, Kl. Schwester von Spanien, verbringt drei Monate der Stille in der Ermitage unserer Fraternität von Einsiedeln.
Sie erzählt uns etwas aus ihrem Leben.


  • Worin besteht diese Zeit und was erhoffst du dir davon?

Im Juni 2016 habe ich ein „Sabbatjahr“ angefangen. Dabei hoffte ich neu aufzutanken, persönlich und mit Gott, nachdem ich mich sechs Jahre für die Fraternität von Spanien und Portugal eingesetzt habe.

 

Die ersten sechs Monate verbrachte ich in einem Benediktinerinnenkloster in Monserrat. Dort lebte ich ganz einfach mit den Schwestern, was mir sehr gut tat: Ausruhen, von der schönen Natur profitieren und vor allem mich vom Gebet und der Liturgie der Schwestern tragen lassen.

Hier lebe ich weiterhin im Schatten des Heiligen Benedikt, auch in einer schönen Natur: Drei Monate in der Stille und Einsamkeit  das Wort Gottes vertiefen und in mir wirken lassen.

  • Kannst du uns etwas erzählen, was dich in der letzten Zeit besonders markiert hat?

Ja, von einem Freund der in Frankreich eine lebenslängliche Haftstrafe in Frankreich verbringt. Ich erhielt einen Telefonanruf seiner Mutter am Tag ihres 90. Geburtstages. Sie bat mich ihren Sohn zu besuchen und ihr von ihm Nachrichten zu bringen. Es war ihr Geburtstagsgeschenk und sie sandte mir das Geld für diese Begegnung. Sie hat ihren Sohn seit 16 Jahren nicht mehr gesehen.  Ich musste Zeuge sein, bei seinem Urteilsspruch vor fünf Jahren.

Dank dem Gefängnisseelsorger, welcher mir den Zutritt zum Gefängnis erleichterte, konnte ich einen ganzen Vormittag mit ihm verbringen. Unsere Freude war übergross: eine Zeit zum Zuhören, zum Weinen und sogar zum Pläne schmieden!

Ihr könnt euch auch die Freude seiner Mutter vorstellen… drei Tage blieb ich bei ihr im Norden von Spanien, im Baskenland.  Ein grosses Geschenk, denn die ersten Jahren als Kleine Schwester verbrachte ich in dieser Stadt. Es war wunderschön den ehemaligen Freunden, Nachbarn und Arbeitskollegen zu begegnen… eine unerwartete Gnade, welche die Liebe dieser Mutter mir ermöglicht hat… nicht nur die Liebe zu ihrem Sohn, aber auch zu mir!

Rosaura, mit den Nachbarn der Fraternität von Malaga: Viele von ihnen waren im Gefängnis:

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  • Zwischen Spanien und der Schweiz gibt es grosse Sprach- und Kultur Unterschiede. Ist dies für dich eine Schwierigkeit?

Ganz und gar nicht, im Gegenteil. Ich habe die Schweiz gerne. Ich habe immer davon geträumt, dass Spanien wie die Schweiz eine Konföderation wird. Seit meiner Jugend war dies eine Verbindung. Jetzt, lese ich das Leben von Bruder Klaus von Flüh und bete um den Frieden in meinem Land. Ich bin gebürtig aus Katalonien, das mit vielen Schwierigkeiten zu kämpfen hat. Während dieser Zeit der Stille und Einsamkeit bete ich auch um den Frieden, nicht nur für mein Land, sondern für die ganze Welt.

Von Kleiner Schwester Magdeleine, unserer Gründerin:

„Die Kleinen Schwestern schliessen kein Volk, keine Schicht, keine Rasse, ja keinen Menschen von ihrer Liebe aus. In allen Menschen, aber vor allem in den Armen erkennen sie das Antlitz Gottes. Sie sehen in  jedem Menschen einen Bruder oder eine Schwester. Sie denken daran, dass die kleinste Geste der Güte und der Liebe den Kleinsten gegenüber, eine Geste der Liebe für Jesus ist!“

 

Februar 2017 

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