Kleine Schwestern Jesu -

 

 

 

Anne-Emmanuelle hat ihre Wurzeln im Wallis. Sie teilt mit uns einige Lebensabschnitte und ihre Motivation in die Gemeinschaft der Kleinen Schwestern einzutreten.

„Ich trat in die Gemeinschaft der Kleinen Schwestern ein, weil ich eine Gemeinschaft nötig hatte, um Jesus im Evangelium  wirklich kennen zu lernen.



Vor allem war ich hellhörig für Seine große Freiheit und seine Art und Weise den Menschen zu begegnen. Ich war ergriffen von der Frage Jesu (Ev. Markus 10.51) „Was willst Du, dass ich Dir tun soll?“
Beim Eintritt in die Gemeinschaft konnten wir die Wünsche für die Orientierung unseres Engagements einbringen.Ich wünschte mir ein Leben mit einem weiten Horizont und dachte deshalb an die Nomaden.

Ich war auch sehr gespannt die „Ostländer“ (wie man damals sagte), welche brüderlich „ohne Gott“ zusammen leben wollten, kennen zu lernen.
So wurde ich nach Ex-Jugoslawien gesandt, wo ich 20 Jahre verbrachte. In dieser Zeit konnte ich oft Gott begegnen! Ich erinnere mich an eine Frau, welche zusehen musste, wie ihre Eltern getötet wurden und die niemals sagen wollte, wer dies getan hat. „Auf dass meine Kinder keinen Hass in ihrem Herzen tragen“, sagte sie.

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Mit einer Nachbarin in Zagreb


Und dann wurde mein Wunsch auf einen weiten Horizont in einer unerwarteten Weise erfüllt.

Während zwölf Jahren war ich im Dienst der ganzen Fraternität und konnte entdecken,  was die Kleinen Schwestern in den verschiedenen Kontinenten leben. Nach dieser Zeit der großen Bereicherung schlug ich vor, meine Kräfte dort einzusetzen, wo es am Notwendigsten war. Ich lebte somit sechs Jahre mit den jungen Schwestern in der Ausbildung. Ich hatte Gelegenheit einen Sommer die Fraternität inmitten behinderter Menschen in Berck kennen zu lernen. Dort lebe ich heute.

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Mit Freunden vor der Fraternität in Berck


Im Jahre 1955 sprach Kleine Schwester Magdeleine, unsere Gründerin, von einer Fraternität mit und unter behinderten Mitmenschen.

Dieses Vorhaben wurde im Jahre 1962 hier in Berck mit vier Kleinen Schwestern, davon zwei behindert, konkretisiert. Zuerst arbeiteten die Schwestern im Spital, aber sehr bald wurden die behinderten Schwestern in einem neuen Projet integriert. Eine Fabrik, welche Phantasieschmuck herstellte, wurde von den Behinderten selbst geführt und beschäftigte 70 bis 80 Arbeitskräfte.

Unser Quartier ist voller Leben und die Fraternität wird zu einem Ort der Begegnung mit den Nachbarn, mit kranken und behinderten Freunden und ihren Familien. Durch eine Abmachung mit Algerien bis zum Jahre 1982, sind es oft algerische Familien. So hatten wir letztes Jahr die große Freude und Überraschung den Sohn einer dieser Familien wiederzusehen. Nach 40 Jahren wollte er seine Frau und seine zwei Kinder mit den Schwestern bekannt machen, welche sie seinerzeit aufgenommen hatten.

Wie versprochen kam er später mit seinen Eltern und es war von neuem ein ergreifendes Wiedersehen. Beim Abschied sagte der betagte Vater: „Wir sind alle Brüder“.

Was mich bei unseren behinderten Freunden am meisten beeindruckt ist ihr Wille „nicht an den Rand geschoben zu werden.“

Clic zum vergrössern Ich denke an Michou. Er kann nicht sprechen und seine Bewegungen nur mit viel Mühe kontrollieren. Während wir Karten oder Scrabble spielen hilft er auch mit: Er schiebt dem Gewinner die Karten zu oder zieht die Buchstaben beim Scrabble! Eines Tages deutete er uns, eine ältere Schwester mitspielen zu lassen, welche in einem Fauteuil abseits war. Er hatte keine Ruhe bis wir sie holten, sie neben uns hinsetzten, damit auch sie Buchstaben oder Zahlen aus dem Sack ziehen konnte!

Unsere Freunde lassen mich verstehen, dass es eine Welt ohne jede Ausschließung geben kann. Möge mein Leben einen kleinen Baustein zu diesem schönen Ziel beitragen. „Was willst Du, dass ich Dir tun soll?“

Photos der Fraternität von Berck

August 2012