Charles de Foucauld

 

 

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Was habe ich mit Charles de Foucauld gemeinsam ?

Anscheinend nichts...
oder nicht viel!

- Sohn einer vornehmen Familie (adelig), früh verwaist, Erbe eines Vermögens...
- Als Heranwachsender sehr skeptisch, distanziert sich vom Glauben seiner Kindheit.
- Er macht eine Militärkarriere, er langweilt sich und sucht in den Vergnügen die innere Leere zu verdrängen


- ein mutiger Forscher, der sein Leben einsetzt und Lorbeeren erntet.
- ein Bekehrter... ein wenig extrem?
- ein Asket der fastet (Nahrung und Schlaf), er legt sich eine strenge Disziplin auf und verlangt nach dem Martyrium!
- Ein impulsiver Mensch, unstet, der sich oft neu orientiert?
- Ein Einsiedler, Missionar in der Sahara?
- Ein Einzelgänger, der von einer idealen Gemeinschaft träumt?
- Ein Franzose, welcher die Kolonialpolitik seines Landes unterstützt.
- Ein Mann des 19. Jhdt. Der Gott in der Höflichkeitsform anredet und eine besondere Verehrung zum Herz Jesu hat...

Nein wirklich, auf den ersten Blick habe ich mit Ch. de Foucauld nicht viel gemeinsam... ausser vielleicht die Liebe zu den Büchern. Als Kind träumte ich davon alle existierenden Bücher zu lesen.

ABER WER WAR CHARLES de FOUCAULD WIRKLICH?

Ein kleiner Bruder Jesu, Antoine Chatelard, hat mir geholfen all die vorgegebenen Klischees... und meine eigenen Vorurteile zu überwinden! Dabei habe ich Bruder Karl als einen Menschen entdeckt, der ständig unterwegs ist, immer auf der Suche, voller Widersprüche, Versuchungen ausgesetzt, geprägt durch seine Herkunft, sein Milieu, seine Kultur, seine Epoche... und doch in vielem seiner Zeit voraus.

Ein Mensch voll leidenschaftlicher Liebe zu JESUS.
Er begegnete Jesus in den Strassen von Nazareth, fasziniert von diesem Gott, der einer von uns wurde.
„Die Menschwerdung hat ihren Urgrund in Gottes Güte. Aber was vor allem offenbar wird – so wundervoll, leuchtend und Staunen erregend, dass es zu einem strahlenden Zeichen wird - , ist die unendliche Demut Gottes, die in diesem Geheimnis liegt.“ (Exerzitien in Nazareth, 6.11.1897) Charles de Foucauld verspürt ein tiefes Verlangen ihn nachzuahmen, auch wenn „sein“ Jesus von Nazareth eher einer persönlichen Interpretation gleich kommt, die auch seinem inneren Weg entspricht. Das Evangelium gibt uns darüber wenig Anhaltspunkte.

Ein Mensch des Gebetes,
geprägt durch das Evangelium und die Eucharistie.
Sein Gesichtsausdruck und sein gütiger Blick zeugen davon. Sein Gebet ist oft mühsam und trocken, aber trotzdem harrt er darin aus und verweilt während vielen Stunden mit Jesus gegenwärtig im Tabernakel. Er ermutigt mich im Glaubensleben und in der Freundschaft mit Jesus „auszuharren“.

Ein Mensch der Beziehungen.
Offen für die Andern und treu in seinen Freundschaften.
Ich entdecke ihn lieber in seiner Korrespondenz als in seinen Meditationen.
In Beni-Abbès ist er von den Leuten völlig in Anspruch genommen. Später lässt er sich in Tamanrasset nieder, wo er viel Energie aufwendet um die Sprache zu lernen. Er baut eine Einsiedelei im Assekrem, um der Nomadenbevölkerung näher zu kommen. Für ihn ist die Wüste nicht Einsamkeit, sondern voller Gesichter. Der grosse Supermarkt in welchem ich arbeite ist auch eine Art von Wüste, wo ich wie Bruder Karl mit viel Geduld versuche ein Netz von Beziehungen zu knüpfen.

Bruder Karl konnte im Laufe der Zeit die zweifache Leidenschaft seines Lebens vereinen: „Die Liebe zu Gott und die Liebe zu den Menschen, das ist mein ganzes Leben; ich hoffe es wird mein ganzes Leben bleiben.“ (Brief an H. Duveyrier, 24.4.1890)

Zum Schluss: „Was gibt es Gemeinsames zwischen Bruder Karl und mir?“
Die leidenschaftliche Suche nach Gott, der uns in Jesus von Nazareth begegnet.


Jetzt gehe ich mit Bruder Karl wie mit einem alten Freund um, dem ich vieles verzeihen kann, denn ich habe ihn schätzen und lieben gelernt... Ein Freund, von dem ich vieles zu lernen habe, denn er geht uns auf dem Weg der Nachfolge unseres „lieben Bruders und Herrn Jesus“ voraus.

Anny Myriam versucht im Alltagsleben in der Fraternität von Biel diesen Weg zu gehen. Ihr Alltag: Begegnungen mit Nachbarn, Freunden und an der Kasse des Supermarktes mit Kolleginnen/Kollegen und Kunden. Die Arbeitsbedingungen sind schwierig. Mehrere Kollegen/Kolleginnen wurde der feste Arbeitsvertrag mit Monatslohn durch einen Aushilfevertrag im Stundenlohn ersetzt, mit aller Unsicherheit, welche ein solcher mit sich bringt. Einige Angestellte über 50 Jahre haben Angst die Stelle zu verlieren. Die 36 Angestellten, die an den Kassen arbeiten, kommen aus ganz verschiedenen Horizonten: Italien, Ungarn, Iran, Philippinen, Vietnam...
Unter den vielen „Fioretti“ im Alltag, eines herausgepickt: Frau B., 82 Jahre alt, erklärt Anny das Geheimnis ihres Wohlbefindens: „Ich mache etwas für die andern“. Zum Beispiel bäckt sie jeden Montag einen Kuchen für ihre Nachbarn!

Oktober 2005.