Kl. Schwestern Jesu - Die Aborigines
Claire: ein Leben mit den Aborigines

Schon in der Gründungszeit schreibt Kl. Sr. Magdeleine:
"Die Worte Bruder Karls haben sich tief in meinem Herzen eingeprägt: "Geht dorthin, wo niemand hingehen würde... zu den verlassensten Schafen... zu jenen die keinen Hirten haben." Wie könnten wir die kleinen Menschengruppen vergessen, die niemanden interessieren?"

Seit vielen Jahren teilt Claire das Leben der Aborigines. Diese haben einen ganz besonderen Platz in ihrem Herzen.
Schon im Jahre 1956 liessen sich die Kleinen Schwestern in Alice Springs nieder, im Verlangen, mit diesen Menschen Freundschaft zu schliessen. Damals lebten sie in einem Lager am Stadtrand.
Claire et Magali avec une femme peintre

Die Kleinen Schwestern verbrachten oft tageweise mit ihnen und ihren Stammesgenossen. Dabei lernten sie viele Leute kennen. Sie wurden in ihre Lebensweise eingeführt und "liessen sich von ihnen adoptieren". Später siedelte die Regierung die Aborigines in Reservaten an. Die Kleinen Schwestern entschlossen sich unter ihnen zu wohnen, 15 km von Alice Springs entfernt.

Man muss bedenken, dass die australische Regierung diese Bewohner in den Reservaten erst im Jahre 1967 anerkannte. Dadurch konnten sie sich den Städten, wie z. B. Alice Springs, nähern.

Seit 1980 lebten die Kleinen Schwestern in einem Wohnwagen inmitten der Aborigines - in Alice Springs. lm Jahre 1989 zogen sie nach Yuendumu, 300 km nordwestlich, einem ehemaligen Reservat, das sich zu einer kleinen Stadt entwickelte. Sie wird fast ausschliesslich von Aborigines verwaltet.
Es ist für die Kleinen Schwestern schwierig, von ihrer Hände Arbeit zu leben. Meistens finden sie "kleine Jobs": baby-sitting, Verkäuferin in einem Zweit-Hand-Laden, einpacken von Gemüse und Früchten in einem lokalen Supermarkt, usw. Die Aborigines haben dieselben Schwierigkeiten eine Arbeit zu finden und leben oft von Familienbeihilfe, Alters- oder Arbeitslosenrenten.
Für einige hingegen ist das Kunsthandwerk eine wichtige Einnahmequelle. Die Kunst besonders die Malerei nimmt bei ihnen einen grossen Platz ein, (siehe eingerahmt). ln Yuendumu bietet das "Artistenzentrum" einen Ort für diese Künstler. Ihre Werke sind jetzt im Handel sehr gesucht.
Claire ist jetzt im Pensionsalter und arbeitet in diesem Zentrum, um alles, was die Künstler und ihre Werke betrifft, einzuordnen.

Während diesen vielen zusammenverbrachten Jahren wuchs eine tiefe Freundschaft mit dem Volk der Aborigines. Wie könnte man, als Kleine Schwester sich nicht bereichert fühlen von einer Gesellschaft in der die menschlichen Beziehungen allem materiellen Besitz vorgezogen werden. Die Aborigines betrachten sich als Teil der Erde und leben mit ihr in Einklang.


Die Aborigines
lm Jahre 1788 wurde der australische Kontinent von den Engländern als "terra nullis" (unbewohnte Erde) deklariert. Doch befanden sich dort eine Million Einwohner. Die Kolonisatoren nahmen auf nichts Rücksicht, weder auf ihre Bräuche noch ihren Glauben, und die Aborigines wurden aus ihren Lebensräumen verdrängt. Dadurch schrumpfte diese Bevölkerung auf etwa 30'000 Mitglieder zusammen. Erst im Jahre 1930 lassen sich die ersten Reaktionen und Forderungen hören. lm Jahre 1967 erhielten die Aborigines die australische Staatsbürgerschaft mit Stimmberechtigung. Aber sie müssen bis 1992 warten bis die australische Regierung ihnen das Eigentumsrecht zugesteht.

Die Aborigines achten die Aneignung von Wissen wichtiger ais den Besitz von materiellen Gütern. Darum spielen die Künstler eine bedeutende Rolle in ihrer komplexen gesellschaftlichen Struktur. Ab 1970 erhalten die bisher nicht beachteten Künstler eine konkrete Unterstützung von der Regierung. Heutzutage werden ihre Werke in allen grossen australischen Museen bewundert. Durch diese - wenn auch späte - Anerkennung werden die Werte ihrer Kultur in ihrer vollen Kraft und Würde bestätigt.

Die Kunst öffnet eine Türe zum Jenseits und lädt zu Entdeckungen und Überraschungen ein. Die Aborigines bieten uns eine künstlerische Vision - weit entfernt vom westlichen Verständnis - genährt von Symbolen und im Leben selbst verankert.

Diese Kunst ist eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart - dem Menschlichen und dem Übernatürlichen. Sie widerspiegelt die Identität des Individuums und der Gruppe in harmonischem Frieden. Die Musik, die Lieder, die Tänze, die grafischen Motive, die Felsmalereien, die bemalten Baumrinden, die Skulpturen aus Holz, die Kult- oder Gebrauchsgegenstände, alles drückt einen Traum oder ein mythisches Ereignis aus.

Die Träume (Dreaming) bilden die wesentliche Grundlage und rufen das Verstehen der physikalischen, moralischen und spirituellen Ordnung des Universums hervor. Die Traumlänge (Dreamtime) preist die Grosstaten der mythischen Gestalten und der Vorfahren, welche die Welt aus dem Nichts geschaffen und sie mit philosophischen und sozialen Gesetzen versehen haben.

lm Photoalbum von Claire:

Januar 2006