Kl. Schwestern Jesu - Nordirland

 

 

Hélène-Renée: von Versoix nach Nordirland

- Hélène Renée, Du hast viele Jahre mit den Schaustellern in der Schweiz gelebt. Heute bist Du in Nordirland. Kannst Du uns etwas über Deine neue Umgebung erzählen?

- Unsere Fraternität befindet sich in Nordirland - Ulster - . Dieser Teil Irlands gehört zu England, United Kingdom.

Unsere Fraternität ist auf dem Land, im Süden von Belfast. Hier war lange Zeit ein Militärflughafen der Royal Air Force. Als diese den Ort verließ wurden die Wohnungen günstig verkauft. Viele Familien wollten Belfast wegen den damals herrschenden Unruhen und der Gewalt verlassen. Meistens sind diese Familien katholisch.

Die Fraternität befindet sich in der Gegend, in welcher der heilige Patrick im 5. Jahrhundert lebte.

 

- In einem der Briefe schreibst Du:

- „In der Stadt Belfast bestehen noch Mauern, denn der Friedensprozess fordert viel Zeit. Man geht nicht so schnell von einer Gewaltsituation zum Frieden, von der Angst zum Vertrauen… aber seit einem Jahr sieht man die Möglichkeit einer Veränderung…“

- Wie kann diese Situation von Gewalt und Suchen nach Frieden zu einer Herausforderung in Deinem Alltagsleben werden?

- Wir sind vier Kleine Schwestern: Japan, Polen, Südirland, Frankreich.

Jede von uns mit ihrem Temperament und ihrer kulturellen Herkunft prägt unser Alltagsleben! Z. B. als Hausfrau: (Geschirr abwaschen, Wäsche ordnen, kochen usw.) Entweder dränge ich meine Art und Weise auf… und die andere muss sich fügen – und „gehorchen“ – oder ich gebe der anderen den Freiraum und entdecke dabei eine andere Art dasselbe zu tun. Meine Handlungsweise ist nicht unbedingt die Einzige und auch nicht die einzig Richtige…


In diesem Fall verzichte ich ein wenig auf meine „Macht“ (Macht, die ich zu besitzen glaube). Wegen meiner persönlichen Familiengeschichte bin ich gewohnt zu befehlen und zu bestimmen.

Zurzeit, wenn die andere die Einzelheiten des Alltagslebens in die Hand nimmt, lehne ich mich an manchen Tagen dagegen auf. Aber langsam habe ich gelernt die andere Handlungsweise zu wertschätzen.


Das Zusammenleben hat mich gelehrt die andere zu achten, zu verstehen warum sie so handelt, ihre Geschichte, ihre Mentalität… und die Wertschätzung veranlasst mich ihr mehr Platz einzuräumen.

Das Gebet gibt mir den notwendigen Abstand und hilft mir die Verbindung mit der politischen Situation in der wir leben, herzustellen…

Die Zeiten des Gebetes geben mir auch den Mut auf diesem Weg der „Gewaltlosigkeit“ und der Wertschätzung des andern.


Nordirland - Wikipedia

Februar 2009