Jacqueline verkauft « Chiles »

 


„Halte immer und überall das Leben Jesu in Nazareth vor Augen. Das Leben von Nazareth in seiner ganzen Größe und Einfachheit.“
(Charles de Foucauld, Notizen von Tamanrasset, 1905)



Im September 2006 berichtete uns Jacqueline über den Beginn der Faternität in einem Quartier, welches nahe an der Kehrichtablage der Stadt Oaxaca liegt. Heute erzählt sie uns von ihrem ambulanten Gewerbe.



In den letzten 15 Jahren hat die Bevölkerung an diesem Ort sehr stark zugenommen. Arbeit finden ist sehr schwierig und jedermann macht irgendetwas, um sein Brot zu verdienen.

„In unserem Quartier gehen die meisten Frauen waschen oder putzen, teilweise bis nach Oaxaca. Andere verkaufen etwas, auf der Strasse oder von Haus zu Haus: Poulets, Gelatine, Früchte, selbst gebackenes Brot oder Kuchen usw. Mit meinen Paprika im Essig gehöre auch ich zu ihnen.

In Mexiko ist der Paprika ein unentbehrliches Gewürz: Eine richtige Mahlzeit ohne scharfe Sauce ist undenkbar!  Die „Chiles“ mit vielfältigen Kräutern und Gemüse zubereitet und in kleine Plastikbeutel verpackt, verkaufen sich gut: „Chiles, Chilitos, zu 5 Pesos los chilitos…“

Für mich hat diese Arbeit mehrere Vorteile: Sie bringt mir einige Batzen ein und dabei begegne ich unseren Nachbarinnen, davon einige sehr betagte Frauen, wie Yoyita oder Dona Florentina, welche auch ihre Ware im Quartier feil halten.

Ein freundliches Lächeln, man bleibt stehen, schaut in den Korb: „Was gibt’s denn heute?“ Manchmal macht man ganz einfach ein freundschaftliches Tauschgeschäft: ein „Tamal“ gegen ein Beutelchen „chile“!

Durch diese Arbeit öffnen sich mir Türen, welche mir vielleicht sonst verschlossen wären: z.B. Leute aus verschiedenen Sekten, die nicht gewohnt sind Mitglieder einer anderen Glaubensgruppe zu grüssen. Aber Gewürze sind keine Bedrohung und die Vorurteile verschwinden schnell.

Manchmal lässt mich jemand eintreten mit den Worten: „Ich esse keine „Chile“, ich habe Magenbeschwerden, aber setzen sie sich“! und man fängt an zu plaudern. Das Leben ist doch unsagbar viel mehr wert, als der Verkauf!

Wenn mein Korb leer ist, gehe ich nach Hause, fülle ihn wieder und nehme den Weg Richtung Schulhaus unter die Füße, da dort die Mütter ihre Kinder abholen. Manchmal gehe ich zu den Kunden die mir regelmäßig etwas abkaufen oder einfach aufs Geratwohl in eine Strasse nach der andern. Am Abend habe ich viele Kilometer hinter mir, aber ich mache dies natürlich nicht jeden Tag. Im Allgemeinen gehe ich am Dienstag auf den Markt von Oaxaca, um mir die nötigen Zutaten zu besorgen; am Mittwoch bereite ich die Paprika zu Hause vor. Es braucht eine ganze Nacht bis die große Pfanne erkaltet ist.
Am Donnerstagmorgen fülle ich die Beutel, welche ich ganz einfach zuknöpfe und ziehe los mit meinem Korb. Der Ertrag ist nicht enorm, wenn man an all die Arbeit denkt. Ich glaube meine Kolleginnen könnten dasselbe sagen. Aber der Weg bietet viele unerwartete Überraschungen und neue Freundschaften… Und am Abend teile ich voll Freude das Erlebte  mit den Kleinen Schwestern und nehme all die Gesichter, die ich im Herzen trage, ins Gebet hinein.



« Chilitos, a cinco pesos »…
Wollen sie probieren?

Link: Die Fraternität von San Bartolo Coyotepec

Juli 2008