Kleine Schwestern Jesu -

 

 

 

Laurence-Claire lebt schon viele Jahre in Tre Fontane, Rom. Sie bleibt aber in enger Verbindung mit den Kleinen Schwestern in Portugal, wo sie mehrere Jahre gelebt hat , sowie mit den Kleinen Schwestern der Schweiz, ihrer Heimat. Sie antwortet auf einige Fragen:

- Tre Fontane ist das „Zentrum der Großfamilie der Fraternität. Was lebst Du dort?

Zuallererst die Begegnung mit Kleinen Schwestern aus der ganzen Welt. Ich bin hier Chauffeur und gehe die Kleinen Schwestern vor allem am Flughafen abholen. Ich begleite sie auch zum Spital oder zum Arzt, da die meisten nicht italienisch sprechen. Durch sie habe ich einen Einblick in die wirkliche Situation ihres Landes, denn oft geben die Medien nur einen Teil der Wirklichkeit wider.

 
Mit Lucy Cheptoo aus Kenia

Ich besuche auch die Kleinen Schwestern im Altersheim. Sie schätzen einen Besuch sehr.

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Eine andere Beschäftigung, die ich besonders zur Weihnachtszeit gerne tue: das Verkaufen   der von uns angefertigten Krippenfiguren auf dem Markt. Es ist eine Zeit der Anteilnahme am Leben der Marktfahrer und unsere Krippenfiguren führen oft zu einem Gespräch mit den Leuten… Die „Botschaft“ des kleinen Kindes von Bethlehem beeindruckt die Menschen, welche an unserem Stand anhalten.


- Kl. Sr. Magdeleine wollte Schwestern, welche „als Kontemplative inmitten der Menschen leben, sich ihr Dasein zu eigen machen, mit ihnen  Freud und Leid teilen“. Fehlt Dir nicht eine Eingliederung, wie viele Kl. Schwestern dies leben, in ein Milieu mit einfachen, mittellosen Menschen?

Ja, das fehlt mir wirklich. Unsere Berufung kann man hingegen überall leben. Meine Aufgabe hier ist vor allem für die Kleinen Schwestern da zu sein. Zum Glück gehe ich auch einmal pro Woche in die Pfarrei, wo eine warme Mahlzeit serviert wird. Sie wird vom Pfarrer, zusammen  mit der Caritas und einigen Pfarreimitgliedern gespendet. Diese Mahlzeit steht für alle offen. Jedes Mal kommen mehr Leute von allen Enden der Welt. Darunter hat es natürlich auch Italiener, denn die Krise macht sich leider auch bemerkbar! Der Mangel an Wohnungen und die Arbeitslosigkeit macht die Menschen hilflos und abhängig. Für mich ist es eine Freude zu dieser Gruppe zu gehören, denn im Laufe der Zeit verbinden uns immer mehr freundschaftliche Beziehungen mit den freiwilligen Helfern und mit den „Kunden“. Unsere Einrichtungen sind prekär (Katechismusraum um die Mahlzeit auszuteilen) und vor allem sind es immer mehr die von dieser Mahlzeit profitieren: etwa 15 Personen. Jeder und jede von uns tut das Möglichste, damit sich die Leute gut aufgenommen fühlen. Wir versuchen auch die kleinen unvermeidlichen Konfliktsituationen zu regeln (Platzreservierung usw.), denn wir möchten, dass alle Freude haben.

Zweimal im Jahr kehre ich nach Fatima in Portugal zurück. Dort helfe ich in unserem „artisanat“ mit, denn die Nachfrage ist immer groß. Es erlaubt mir auch in einer kleineren Fraternität zu leben. Das Haus wurde kürzlich umgebaut um den Bedürfnissen der älteren Schwestern zu entsprechen. Die ländliche Umgebung ist ideal. Es ist ein Wallfahrtsort an welchem sich viele Menschen voll Glauben und Vertrauen, in entwaffnender Haltung der Einfachheit einfinden.

 

- Die große Kapelle aus Holz, inmitten von Tre Fontane bietet Raum für das Gebet, die Stille, ein Ort der das kontemplative Leben nährt?

Sie ist das Herz des Barackendorfes. Dort versammeln wir uns zum Gemeinschaftsgebet und Zeiten der stillen Anbetung. Viele Menschen schätzen unsere Kapelle mit der eucharistischen Gegenwart. Sie profitieren gerne von der stillen Umgebung um sich zu sammeln. Einige kommen während ihrer Arbeitspause, andere für einen „Wüstentag“ in der Kapelle und in der Natur ringsum, denn das Wetter ist meistens schön.

Gelegenheit einige Worte zu wechseln, eine Sorge anzuvertrauen, und um unser Gebet zu bitten. Viele Freundschaften entstehen auf diese Weise. Einige gute Bekannte gehen direkt in den Raum in welchem Kl. Sr. Magdeleine gestorben ist und der als Kapelle dient.

Ein anderer Raum in Tre Fontane: Die Kapelle von Bruder Karl.im Untergeschoss. Dort  werden einige Andenken aufbewahrt: seine Zeichnungen, Evangeliumsmeditationen, der Altar, der Tabernakel, von seiner Hand - mit den einfachsten Mitteln - geschriebene Inschriften.

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Dieser Ort, der Einsamkeit und Stille, in der „Gegenwart“ von Bruder Karl erweckt in uns den Geist in dem er leben wollte: Die totale Entäußerung  in der nur Gott allein zählt. Dies war der rote Faden, der sein ganzes Leben durchzog:

„Du weißt es: Die Nachahmung ist von der Liebe nicht zu trennen, wer liebt will den Geliebten nachahmen. Ich habe mein Herz an diesen Jesus von Nazareth verloren, der vor 1'900 Jahren gekreuzigt wurde. Seither versuche ich, soweit es meine Schwäche erlaubt, ihm ähnlich zu werden.“ (Brief an G. Tourdes, 1902)

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März 2012