Kleine schwestern Jesu - Einsatz


 

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Lina erzählt von ihrer Arbeit

Im Anfang wollte ich im Supermarkt arbeiten um die Regale aufzufüllen.

Dann schlug man mir die Arbeit an der Kasse vor. Ich hatte Angst davor, aber ich wagte den Sprung. So habe ich langsam den Beruf einer Kassierin erlernt und ich übe ihn sehr gerne aus. Warum? Weil das Quartier, in dem ich lebe, zu meinem Dorf geworden ist. Vorher arbeitete ich in der Stadt und mein Engagement mit den Frauen im Gefängnis liess mir keine Zeit für die Nachbarschaft.

An der Kasse begegne ich vielen verschiedenen Gesichtern: Jugendliche, Betagte, Kinder, Menschen aus allen Schichten: Strassenkehrer, Beamte, Studenten, Drogen- oder Alkoholabhängige; mit vielen Nationalitäten: Schweizer, Italiener, Spanier, Menschen aus Ex-Jugoslawien, aus Afrika, Sri Lanka und Kuba. Wenn man sich im Quartier wiedersieht, tauscht man ein Lächeln, ein freundliches Wort, und manchmal kommt es auch zu einem Gespräch über Freud und Leid.

Vom Dorfbrunnen zum Supermarkt, ein neuer Ort der Begegnung. Jetzt betrachte ich den Supermarkt ein wenig wie den Brunnen von Nazareth, wo Maria den anderen Frauen begegnete, oder wie einen Dorfplatz : Ort der Gemeinsamkeit und der Anteilnahme am Leben der anderen.

Aber wie in vielen grossen Supermärkten, sind die Arbeitsbedingungen mühsam. Ein grosser Teil der Angestellten arbeitet als „Aushilfe“ wie ich selbst, d.h. nur bei Bedarf. Vor allem wird Flexibilität gefragt. Je nach Bedürfnissen muss man eine Arbeitszeit von nur 5 ½ Std. oder im Gegenteil von 40 Std. pro Woche akzeptieren.

Die Solidarität leben wir Seite an Seite mit Müdigkeit und Stress. Respektvolle Aufmerksamkeit für jeden Menschen – Arbeitskollegen und Kunden – ist meine tägliche Sorge, indem ich das Verlangen Jesu zu dem meinen werden lasse: „Damit sie Leben haben, und es in Fülle haben“. (Joh. 10.10)