Der Islam im Alltag

 



Der Islam im Alltag: Lysiane berichtet uns über ihre Erfahrung
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Anlässlich meines Sabbatjahres wollte ich das Alltagsleben eines islamischen Volkes kennen lernen, denn unsere Gemeinschaft wurde auf islamischem Boden (Algerien) gegründet. Deshalb wollen wir auch die Freundschaft mit dem Volk unter dem wir leben pflegen und uns gegenseitig kennen und verstehen lernen.

Kleine Schwestern vor ihrem Haus

Hier einige „flashs“ aus diesen 21/2 Monaten, die ich letzten Herbst mit den Kl. Schwestern in Libyen verbrachte.

Zubereitung des Couscous
Bis jetzt habe ich als Kl. Schwester immer in den nordischen Ländern, vor allem in Finnland, gelebt. Zum ersten Mal befand ich mich auf der andern Seite des Mittelmeeres. Klima, Kleidung, Architektur, soziale und politische Ordnung, Religion, Landschaft… alles weckte in mir das Gefühl in eine ganz andere, mir unbekannte Wirklichkeit einzutauchen.
Ich kam zum Anfang des Ramadanmonats hierher. Dank der Kl. Schwestern wurde ich sofort in den Alltag dieser ganz besonderen Zeit im Jahr  integriert. Die ganze Stadt (Tripolis) lebt im Rhythmus dieser Fastenzeit: Tagsüber ist wenig Verkehr, viele Geschäfte sind nicht geöffnet und bei Sonnenuntergang, wenn das Fasten beendet ist, sieht man beinahe niemanden auf der Strasse. Aber gegen 21.00 h beginnt wieder ein reges Leben und man sieht ganze Familien, die zusammen ihre Einkäufe machen.

Besuch bei den Frauen

Fast jeden Abend gingen wir zu Nachbarsfamilien oder Arbeitskollegen der Kl. Schwestern auf Besuch. Wir waren immer unter Frauen. Ich war sehr gerührt über die rücksichtsvolle Art in der sie mich aufnahmen. Ich bemerkte wie tief und zugleich einfach die Freundschaft der Kl. Schwestern mit diesen Frauen ist: Frucht eines langen gemeinsamen Weges.

Oft lief das Fernseh-Programm und da ich nicht an den Gesprächen teilnehmen konnte (keine gemeinsame Sprache) folgte ich verschiedene Male dem Gesang der Koranverse. Die Schönheit und die Innerlichkeit  des Gesangs und all die Männer Schulter an Schulter, im Gebet vertieft, beeindruckte mich.

Mit dem Eintauchen in diese mohammedanische Atmosphäre lebte ich gleichzeitig den christlichen Alltag.  In der Fraternität beteten wir oft das Stundengebet während der Gebetsruf des Muezzins ertönte. In der einzigen Kirche von Tripolis wird die Messe auf englisch, arabisch, koreanisch, französisch, italienisch, polnisch… zelebriert. Es ist fast wie in der Apokalypse: „Ein Volk aus allen Rassen, Sprachen, Völkern und Nationen“.

Ich war auch in Zentan, zwei Autostunden von Tripolis entfernt, am Rand der Wüste. Welch ein Kontrast zu Tripolis einer modernen Stadt in voller Expansion, mit regem Verkehr und grossen Wohnlöcken. Man begegnet dort Menschen in traditionellen Kleidern, andere europäisch gekleidet, oft Frauen, wie auch Männer mit Schleier, Souks und Warenhäuser liegen nebeneinander.

Aber Zentan, von wo sich die riesige libysche Wüste erstreckt, hat vielmehr das Aussehen eines grossen traditionellen Dorfes. Auf den Strassen und in den Läden sieht man nur Männer, die Frauen bleiben zu Hause. Die Hauptstrassen sind gepflastert, aber viele andere nur Erde. Aber auch hier wird viel gebaut, und ich habe gehört, dass auch die Strassen systematisch geteert werden. Internet-Cafés werden eröffnet und eine gewisse Anzahl Frauen gehen arbeiten.

Moschee von Zentan
Mit Freundinnen

In dieser so andersartigen Kultur sind die Kl. Schwestern die „grosse Ausnahme“, denn sie besorgen selbst ihre Einkäufe und haben keinen Mann und keine Kinder. Mit der Zeit erkennen einige, dass es sich um Frauen des Gebetes handelt; dies ermöglicht ein Verhältnis des Vertrauens und der gegenseitigen Achtung. Es ist eine ständige Herausforderung als Europäerin und Christin hier zu leben. Ich freue mich, dass dies möglich ist.

Zentan

In diesen zweieinhalb Monaten durfte ich die Realität dieses mohammedanischen Landes konkret erleben. Ich fühlte mich wohl und ich war gerne da. Eines Tages wurde mir bewusst, dass die völlige Abwesenheit von erotischer Propaganda und von provozierendem Verhalten in den Strassen, erholsam ist.


Wenn wir uns nur gegenseitig auf allen Gebieten, über alle Grenzen hinweg, bereichern könnten – Dies ist mein Gebet!

Mai 2007

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