Petites soeurs de Jésus - Avec des personnes âgées

 


"Marie ist im Dezember 2011 gestorben, aber was sie im Altersheim gelebt hat war erfüllt mit dem Geist des Evangeliums."

Zwei andere Kleine Schwestern leben zurzeit dort: Ein freundschaftliches Dasein im Alltagsleben des Heims.

Einige Fragen an Kl. Sr. Marie:

Du lebst seit sechs Jahren in einem Betagtenheim in Genf und Du zählst jetzt 88 Jahre. Warum hast Du dies gewählt? Du könntest mit den anderen Schwestern in einer „Fraternität“ bleiben?
- Es ist wahr, aber ich dachte an die vielen Frauen und Männer, welche in den Heimen leben, ohne dies gewählt zu haben. Durch die Umstände sind sie dazu gezwungen diesen schmerzhaften Schritt zu machen, ihr vertrautes Zuhause, ihre Umgebung, ihre Gewohnheiten aufzugeben, um in einer Gemeinschaft mit unbekannten Personen zu leben. Es war mein Wunsch mit diesen Menschen den Alltag zu teilen und diese Form von „Armut“ zu leben, denn es ist ganz in der Linie meiner Berufung zur Freundschaft und zum Gebet. Hier finde ich wirklich das, wonach ich verlangte: Ich bin eine der 430 Bewohner, wie alle andern an einen Tagesplan gebunden, mit denselben Wohnbedingungen, Nahrung usw.
Wie lebst Du heute diese Freundschaft und das Gebet?

- Was die freundschaftlichen Kontakte anbetrifft, bin ich für jede Gelegenheit aufmerksam. Es gibt deren viele: Bei den Mahlzeiten, in den Gängen, bei der Animation usw. Aufmerksam und verfügbar, ohne meine Begegnungen zu programmieren, ganz einfach zuhören – ganz wesentlich – damit jeder sich frei fühlt seine Langeweile oder seine Bitterkeit, seine Sorgen und gesundheitlichen Probleme, seine Angst vor dem Tod, sowie auch seine kleinen Freuden oder ganz einfach die Sorge um seine Katze, auszudrücken. Ganz besonders gern treffen wir uns nach den Mahlzeiten in der Etage für ein gemütliches Beisammensein.
Ich beteilige mich auch am Bastelatelier wo eine sympathische Zusammenarbeit herrscht.

Was das Gebet betrifft, verbringe ich im allgemeinen den Vormittag in meinem Studio oder in der Kapelle des Hauses: Wichtige Zeit des schweigenden „Da-Seins“, ganz einfach auf Jesus hören, mit IHM verweilen mit allen die zu meinem Leben gehören und mit der ganzen Welt. Dort lebe ich das Wesentliche meiner Präsenz in diesem Heim.


Besuch von draussen, Telefongespräch, Begegnung mit den anderen Kl. Schwestern,
viele Gelegenheiten des Miteinanderteilens.

Eine andere Kleine Schwester, Marie-Catherine, hat ebenfalls dieses Heim gewählt. Wie organisiert Ihr Euch? Seit Ihr im selben Zimmer, am gleichen Tisch?
Marie et Marie-Catherine - Ja, ich bin mit Kl. Sr. Marie-Catherine gleichzeitig ins Heim eingetreten, aber unsere Studios befinden sich nicht in der gleichen Etage und im Speisesaal sind wir nicht am selben Tisch, um besser in das Heim eingegliedert zu sein. Die Mitbewohner wissen, dass wir zur gleichen Gemeinschaft gehören.
Unter uns haben wir häufig ganz spontanen Austausch und auch regelmässig gemeinsame Zeiten des Gebetes.

Alt-Werden macht oft Angst. Wie lebst Du diese Etappe Deines Lebens?

- Altern macht mir nicht Angst. Ich betrachte dies als eine normale Evolution. Wovor ich jedoch Angst habe ist das Risiko eines Fad-Werdens wegen einer gewissen Erschöpfung, physische Behinderung, zerebrale Schwäche. Ich denke auch oft an den Tod, friedlich, ohne mich zu fragen, wann und wie er kommt. Ich spüre vor allem, dass ich unterwegs bin zum WAHREN LEBEN.

Marie et Marie-Catherine

Juli 2005