Kleine Schwestern Jesu -

 

 

 

Stella, eine Kleine Schwester aus Italien verbringt eine Sabbatzeit in Aubonne. Eine Zeit, die ihr erlaubt die verschiedenen Aspekte des Gelebten aufzuarbeiten und für die Zukunft zu vertiefen. Während dieser Zeit nimmt sie am Alltag der Kl. Schwestern in Aubonne teil.

- Du lebtest in der Fraternität von Turin und nachher in Chiusi. In Turin geben die Kl. Schwestern der Freundschaft mit Frauen, welche Opfer der Prostitution und anderer Formen der Marginalisierung sind, den Vorrang.
Was kannst Du uns über diese beiden Fraternitäten berichten:

„In Turin begegnete ich Frauen und Männern, welche ich nach einiger Zeit bei ihrem Namen kannte und die wie meine Familie wurden. Mit ihnen habe ich geweint… neue Hoffnung geschöpft, die Alltagssorgen mit ihnen geteilt… Ihr Vertrauen und ihre Offenheit erlauben mir ihre Lebensgeschichte, voller Leid und Hoffnung mitzutragen. Noch heute schaue ich voller Dankbarkeit auf diese Zeit zurück.

Ich arbeitete halbtags – wie die andern Kleinen Schwestern – als Putzfrau in Privathaushalten. Die übrige Zeit war den Begegnungen gewidmet. Einmal pro Woche verkaufte ich auf dem Markt meine selbstgemachten Tonarbeiten und Karten. Gelegenheit um ganz verschiedenen Menschen zu begegnen.

In Turin gibt es ein umfangreiches reseau verschiedener Gruppen die zusammen arbeiten, um den vom Leben verletzten Menschen zu helfen. Mit ihnen konnten einige unserer Bekannten einen befreienden Weg gehen. Aber meistens geht es darum die Türe der Fraternität und unserer Herzen offen zu halten…

Die „Heimsuchung“ Mariens bei Elisabeth, Charles de Foucauld inspirierte sich von diesem Evangeliumtext (Lukas 1.39-45) in seinen Begegnungen mit den Mitmenschen. Dieses Evangelium ist auch für uns ein Leitmotiv in unseren Beziehungen.

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Ikone der Heimsuchung Mariens gemalt von einer Kl. Schwester

In Chiusi begegnete ich einer anderen menschlichen Schwäche: Das Alter und die Gebrechlichkeit meiner Kleinen Schwestern.

Ich durfte auch die Schönheit der einfachen Beziehungen mit den Nachbarn, sowie Mithilfe in der Saisonarbeit und ein engagement in der Pfarrei miterleben… Wie in Turin empfand ich dieselbe Dankbarkeit den Menschen gegenüber, die mir ihre Geschichte, ihre Sorgen und ihre Hoffnungen anvertrauten…

mit Freunden in der Fraternität von Chiusi
 

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Auf den ersten Blick ist ein großer Unterschied zwischen diesen beiden Fraternitäten. Welches ist der rote Faden, der diese verschiedenen Formen der Präsenz und der Freundschaft verbindet?

In Turin, wie in Chiusi entdeckte ich wie sehr die Gegenwart Gottes all diesen freundschaftlichen Begegnungen inne wohnt, im einfachen und zugleich reichhaltigen Alltag. In jeder Gemeinschaft geht es darum ein geschwisterliches Leben unter uns zu gestalten, dem gemeinsamen Verlagen zu den Füssen Jesus zu verweilen, und die Menschen, mit ihrem Weg, ihren Sorgen und Mühen, zu ihm zu tragen…

 
in der Küche von Chiusi


- Es gibt mehrere Fraternitäten in Italien. In welches Milieu sind sie eingegliedert?

Zurzeit gibt es in Italien neun Fraternitäten. Ausser Turin und Chiusi sind unsere Schwestern in populären Wohnvierteln von Mailand und Neapel, dann Assisi, Ort der Stille und des Gebetes für unsere Kl. Schwestern. Eine Gemeinschaft der Nomadenschwestern ist mit den Zigeunern unterwegs; eine andere in Rom im Dienst der Fraternitäten von italien und eine andere bietet die Möglichkeit einer Präsenz im Luna Park und auf kleinen Marktplätzen. Und schlussendlich die Fraternität von Termoli, Stadt in Mittelitalien.

In Rom befindet sich unsere Generalfraternität, Tre Fontane.

- An Ostern entdecktest Du die im Alltag gelebte Oekumene. Gibt es andere Aspekte welche Dir während dieser Zeit der Erneuerung helfen?9
Ich folge einen intensiven Zyklus um das Evangelium in mir tiefgreifend wirken zu lassen, ein Weg der Umkehr und des Heil-Werdens, der im Wort Gottes und in den menschlichen Erfahrungen schöpft. Dieser Weg hilft mir auch verschiedene Aspekte meines Lebens anzusehen und einen Weg zur Einheit in mir selbst - nach der ich sehr trachte - zu leben. Rund um Aubonne hilft mir auch die Schönheit der Natur: See und Rebberge… und die Arbeit im Tonatelier. Meine Zeit ist aufgeteilt zwischen der Arbeit im Tonatelier und der Vertiefung durch Lektüre. Eine Hilfe auch all die zahlreichen Kontakte (Besuche im Atelier, Pfarrei usw.) mit Menschen aus allen Ländern, die in dieser Umgebung leben und die ich immer besser kennen lerne.


Link : Die Kleinen Schwestern in Italien


Oktober 2011