Kl. Schwestern Jesu - Palästina

 

 

Maria Verena ist gebürtig aus der Schweiz und hält sich für einige Zeit in ihrer Heimat auf.
Sie teilt mit uns einiges aus ihrem Leben im Heiligen Land, auf den Spuren Jesu und in der Nachfolge von Charles de Foucauld.

Charles de Foucauld lebte als Diener in einem Frauenkloster in Nazareth von 1897 bis 1900. Einige Jahre vorher entdeckte er auf einer Pilgerfahrt diese vom Leben Jesu geprägten Orte.

Kl. Schwester Magdeleine gründete dort vor ungefähr 60 Jahren die Fraternitäten. Auch heute noch leben Kleine Schwestern mit den Menschen, die unter der schwierigen Situation leiden.

Einige Fragen an Maria Verena:

- Du hast in verschiedenen Fraternitäten im palästinensischen  Milieu gelebt: Nazareth, Jerusalem, Gaza… Was beeindruckt dich am meisten im Alltag mit den Nachbarn und Freunden?

„Ich war vor allem in Jerusalem und in Gaza. Dort hat mich immer die große Güte der Menschen und ihre herzliche Aufnahme beeindruckt, aber vor allem die Ausdauer im Kampf um Würde und Freiheit; sowie auch die Geduld schwierige Situationen zu meistern. Ich bewundere insbesondere die Frauen, welche oft allein die Sorge um die Familie tragen – sie tun dies mit viel Mut!

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  Salima mit einer kleinen Nachbarin von Gaza

In Jerusalem befindet sich die Fraternität seit 60 Jahren, in der „Via Dolorosa“. Viele Pilger kommen dort vorbei. Eine langjährige Freundschaft verbindet uns mit den Menschen ringsum: Christen und Mohammedaner; in dieser Stadt mit ihrer reich erfüllten Geschichte: drei Religionen, zwei Völker und viele Pilger aus der ganzen Welt. Jerusalem, dessen Berufung es ist eine „Stadt des Friedens“ zu sein – und wo man auf Schritt und Tritt die Spannungen spürt.

In Gaza wohnen wir seit 32 Jahren am Rand eines Flüchtlingslagers. Die Kleinen Schwestern leben, wie ihre Nachbarn und teilen mit ihnen Freud und Leid.

- Erinnerst du dich gerne an positive Haltungen, Gesten, Initiativen, die für diese Region unseres Planeten, trotz all des aktuellen Leidens, Hoffnung wecken? Kannst du uns etwas darüber sagen?

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„Es gibt tatsächlich Zeichen der Hoffnung, sicher mehr, als man denkt. Was unmöglich schien, scheint plötzlich möglich, wie z.B. israelitische und palästinensische Familien, welche ein Kind oder ein anderes Familienmitglied in einem Attentat oder Bombenanschlag verloren haben. Sie begegnen sich regelmäßig, versuchen den Schmerz des andern zu verstehen und weiterhin an die Möglichkeit eines friedlichen Zusammenlebens zu glauben.

Maria Verena mit einer lieben Freundin  
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Es gibt zahlreiche gewaltlose Initiativen. Sie haben leider sehr wenig Einfluss auf die „große Politik“.

Bernadette umgeben von Nachbarskindern  
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Es hängt von uns ab, all die vielen kleinen Gesten im Alltag zu sehen, sie zu ermutigen, die Verbindungen am Arbeitsplatz zu fördern, usw.“

Bethlehem: Ae Soun arbeitet in einer Kinderkrippe  
- Das persönliche und gemeinschaftliche Gebet ist eine Quelle der Kraft. Aber wie drückt sich dieses Gebet in den dunkelsten Zeiten aus?


„Wenn ich Zeuge von Gewalt und Ungerechtigkeit werde, inmitten großer Spannungen, wo ich mich machtlos fühle wird mein Gebet ein Flehen, ein Schreien zu Gott. Die Psalmen helfen mir oft, mein tiefstes Gebet auszudrücken oder auch ganz einfach das Jesus-Gebet, welches im Orient so beliebt ist: „Jesus, Sohn Gottes, erbarme Dich unser.“

  Kapelle der Fraternität in Jerusalem

- Der Besuch von Papst Benedikt XVI – im Mai 2009 – war ein intensives Erlebnis. Wie haben die Nachbarn und Freunde darauf reagiert?

„Vor seinem Besuch waren viele dagegen, auch in kirchlichen Kreisen. Man dachte es sei nicht der richtige Moment, die Situation sei zu kompliziert – eine ungeschickte Bemerkung oder etwas anderes könnte ernsthafte Folgen haben. Aber nach dem Besuch waren alle sehr zufrieden. Er konnte für jeden die richtigen Worte finden und auch allen aufmerksam Zuhören. Ich habe viele positive Echos gehört.“

Papst Benedikt XVI hatte am Freitag, den 15. Mai 2009, am Ende seiner Heilig-Land-Reise auf dem Flughafen von Tel Aviv gesagt: „Ich bin ein Freund Israels und ein Freund des palästinensischen Volkes… Die Zweistaatenlösung möge Realität werden und nicht ein Traum bleiben… Die Mauer ist die traurigste Vision dieser Reise. Ich bete, dass es in Zukunft ein solches Mittel aus Sicherheitsgründen und der Trennung nicht mehr geben wird… In erster Linie ist es notwendig, dass wir die Mauern entfernen, die wir um unsere Herzen aufgerichtet haben…“

Link :
Wer ist Charles de Foucauld

September 2009