Kl. Schwestern Jesu - Lappland

 

 

Mit Leila in Lappland.

Hier ein Wort in einer euch sicher unbekannten Sprache, ein treffendes Wort für das, was wir hier erlebt haben und auch unter uns leben wollen, ein Wort in der Sprache der Lappländer (sami skolte): „OOUTVEAKKA“, was bedeutet „gemeinsam handeln“. Motto eines Festes, an dem ich mit riesiger Freude teilnehmen durfte. Aber zuerst etwas über die Vergangenheit. Schon im Jahre 1956 zogen zwei Kleine Schwestern nach Lappland, an das Ufer des Inari-Sees, ganz im Nord-Osten von Lappland und sie schrieben: „Wenn Gott will, wollen wir Nach Sevettijärvi gehen. Um hier zu leben, muss man zu allem bereit sein – Kälte – Nacht – Mücken und besonders zur  Einsamkeit.“  

Zwei Kleine Schwestern (Aline Catherine und ich) verbrachten im Jahre 1975 einen Monat in Sevettijärvi. Wir wollten die Skoltes kennen lernen und den bedürftigen Familien helfen. Dies war ein Anfang und zwischen 1975-1980 waren mehrere Kleine Schwestern dort.
Der letzte Aufenthalt 1982. Im Jahre 1979 nahmen wir mit Marguerite Geneviève am Fest der 30 Jahre des Dorfes teil. Finnland baute kleine Hütten für dieses Volk aus Petsamo, ein Gebiet von der Sowjet-Union im Jahre 1949 besetzt.

 Dieses Fest wurde zum ersten Mal organisiert und dieses  Jahr war es das fünfte, gleichzeitig feierte die Schule siebzig Jahre.
Mit einer Gruppe Orthodoxen konnte ich dieses Jahr eine Reise in dieses Dorf realisieren. Mit der Karte von Finnland könnt ihr uns besser folgen.  

Erster Halt in Oulu, fast 500 km von Tampere. In der dortigen Orthodoxen Gemeinde formte sich die Gruppe. Dann fuhren wir gegen den Nordpol, ungefähr 230 km. Der Bus hielt zuerst am Bahnhof, denn mehrere Personen kamen mit dem Zug und gesellten sich zu uns.

„Von dort fahren wir gegen Norden. Wir sind in Lappland. Dieses Gebiet ist sehr wenig bewohnt, aber viele Bäume und oft Rentiere, darunter auch Junge, hin und wieder ein Haus, auch verlassene Häuser… Rund 300 km von Rovaniemi erreichen wir die Hauptstadt dieser Gegend: Ivalo. Nach dem Essen fahren wir noch 170 km weiter bis nach Sevettijärvi.
Ich bin sehr berührt und viele Erinnerungen werden zu Gebet.

Wir besuchen die Kirche des Heiligen Tryphon de Petsamo, ein Mönch (1495-1583),  der es einem Ehrenplatz in der Hirarchie vorzog mit den Skoltes zu bleiben, im Gebet, in der Evangelisierung und der Taufe. Seither ist dieses Volk der Orthodoxen Kirche treu geblieben. Sie leben als semi-nomaden, halten Rentiere, jagen und fischen unter schwierigen Verhältnissen in Petsamo und seit 1949 in Sevettijärvi und Nellimö.

Die Kirche von St-Tryphon/ By Motopark -
Own work, CC BY-SA 3.0, Wikimedia

 

Zum Festtag führt uns ein Bus 4 km zu einem grossen Zelt rundum die Schule. Die freundschaftlichen Begrüssungen und rührenden Begegnungen hättet ihr sehen sollen… Viele Frauen, auch junge, in der typischen Tracht. Die Männer sind einfacher angezogen. Es ist ein gewisser Stolz dabei. Die Liturgie beginnt. Seit unserem letzten Besuch im Dorf gibt es eine radikale Änderung: Die finnische Sprache anstelle von Skolte. Die Liturgie ist einfach; schön gemeinsam zu beten.

Der Erzbischof erinnert in seiner Predigt an die Geschichte dieses Volkes. Ein kleines Volk, das seine eigene Identität mit seiner Sprache, seinem Artisanat und seinen Traditionen stärken will: Es ist wie ein Schrei zur Existenzberechtigung: Es gibt nur noch 300 Personen, welche die Sprache sprechen. Sie sind noch ungefähr 700 in Finnland. Eine lange Liturgie von zweieinhalb Stunden, dann eine feine Lachssuppe und das Fest geht weiter am Nachmittag.

 

Ehemaliges Haus Skolte, heute Museum    /
By MattiPaavola - Own work, CC BY-SA 3.0-Wikimedia

Um 14 Uhr ist das Zelt vollbesetzt. Ein Teil ist ernsthaft, aber auch die traditionellen Tänze und Lieder des Volkes fehlen nicht. Die Lieder sind wie Balladen, welche die Geschichte der Rentiere oder der Menschen erzählen, auch manchmal Trauer. Die fröhliche Seite erinnert mich an die Inuiten in Grönland.

Wir müssen hinzufügen, dass in 1975, als wir dort waren, die Sprache noch nicht geschrieben wurde. Man ermutigte die Kinder nicht dazu, ihre Muttersprache zu sprechen. Die Zeit hat sich geändert; ich freute mich, als eine Frau Skolte einer Lehrerin, welche in Pension ging, als „Mutter der Sprache“ bedankte. Sie hatte ihr die Sprache Skolte gelehrt.

Zur Zeit verlangen die Lappländer die Anerkennung ihrer Sprache in all diesen Ländern: d.h. in Finland sind es drei, dann Schweden, Norwegen und Russland.