Bewohnt Gott auch unseren Schmerz?

 

 

Bewohnt Gott auch unseren Schmerz?
Kleine Schwester Maria-Hedwig, Aubonne

Kürzlich besuchte uns ein junger Student. Er war auf der Suche nach einem Fotomotiv für eine Aufgabe, die er seinem Kurs präsentieren sollte. In meinem Atelier fotografierte er ein kleines Jesuskind aus Ton, das ich in meinen deformierten Händen hielt. Als er hörte, dass ich einen Text über die Gegenwart Gottes in der Krankheit schreiben werde, schenkte er mir sofort sein Foto.

Seit meiner Jugend leide ich, wie schon meine Großmutter, an deformierender Polyarthritis. Diese Krankheit ist also schon von jeher meine Weggefährtin. Vor meinem vierzigsten Lebensjahr hat sie mir viele Schmerzen bereitet, aber noch keine zerstörenden Auswirkungen gezeigt. Doch dann begannen sich Deformierungen in allen Gelenken auszubreiten. Die Behinderung schritt rasch voran, weil meine durch die stark entzündlichen Prozesse beschädigte Leber die Wirkung der Medikamente blockierte.

1997 sagte mir ein Chefarzt, dass er keine Lösung mehr für mich habe. Ich war der Verzweiflung nahe, doch der Herr war nicht abwesend. Er ließ mich eine Ärztin kennenlernen, die eine Fastentherapie für meine Krankheit entwickelt hatte. Was für ein Geschenk! Das Fasten verminderte die Intensität der Entzündung und half mir, Gottes Gegenwart in meinem Körper wieder wahrzunehmen. Ich war mir ja immer sicher, dass Er da war, aber der starke, unaufhörliche Schmerz machte es mir sehr schwer, mich mit Ihm zu verbinden.

Schon früh half mir etwas dabei, auch mit meinen Schmerzen zu beten: jedem meiner Körperteile ein besonderes Anliegen anzuvertrauen. Die Beine beten zum Beispiel für diejenigen, die das Evangelium überall auf der ganzen Welt verkünden. Die Knie für jene, die zu einem Leben des Gebetes berufen sind. Die Hüften für unsere Mutter Erde und für die ökologische Krise. Die Schultern für alle, die Verantwortung zu tragen haben. Der Nacken für das jüdische Volk. Die Ellbogen, die Handgelenke, die Hände und viele andere Körperteile haben wechselnde Aufgaben, je nach den Umständen des Augenblicks. Diese Methode hat meinem Geist geholfen, den Blick vom Schmerz weg auf das Gebet zu richten, nicht passives Opfer zu bleiben.

Dann gibt es auch noch eine andere große Unterstützung: die Tonarbeit. Wegen meiner deformierten Hände bin ich nicht mehr in der Lage, die Tonfiguren zu formen, aber ich kann mich noch mit den kleinen Nachbesserungen befassen. Ich kann meinen Blick und meine ganze Aufmerksamkeit auf das Lächeln des Jesuskindes richten, auf seine kleinen Arme, die sich nach uns ausstrecken. Ich kann an die Personen denken, die es erhalten werden und die diese Geste ermutigen wird.            
All das verwandelt meinen Schmerz in Hoffnung.

Auch das Gemeinschaftsleben, das gemeinsame Gebet und der Bibelaustausch geben mir Kraft für meinen Weg. Ich bin jeden Tag auf die Hilfe einer Krankenschwester angewiesen, die morgens und abends kommt; untertags unterstützen mich meine Mitschwestern. Diese totale körperliche Angewiesenheit ist schwer anzunehmen. Sie kann aber auch zum Geschenk werden und zur Ermutigung für mein Leben mit Jesus – wenn ich Ja zu ihr sage.

Dann kann ich wahrhaftig mit Paulus bekennen:
Wenn ich schwach bin, kann Jesus all seine Kraft in mir entfalten, denn
nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir.

 

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P. Sr Gertrud-VeronikaP. Sr Gabrielle-YvetteP. Sr Magdalena-MichiyoP. Sr Maria de LourdesP. Sr LucianaP. Sr MarjolaineP.Sr Maria de LourdesP.Sr Gabrielle-YvetteP.Sr Gertrud-VeronikaP.Sr LucianaP.Sr Magdalena-MichiyoP.Sr Marjolaine